" Wo immer ein Tier in den Dienst des Menschen gezwungen wird, gehen die Leiden, die es erduldet, uns alle an! "

                                                                                                    Albert Schweizer

 

 

           "Vielleicht haben die Vögel erst fliegen gelernt
                   als der Mensch auf die Welt kam."
                                                                             Art van Rheyn

 

 

Geduld ist das Vertrauen, dass alles kommt,

wenn die Zeit dafür reif ist.

       





Es sind die Lasten der Anderen, die den Esel umbringen"

 

 

 Folge einer Ziege und du stürzt in den Abgrund

Folge einem Esel und du kommst in ein Dorf.

Gebet eines Esels 

Goldene Bänder gleiten zur Erde,
die letzten des Tages.
Die Nacht umhüllt mit einem grauen Tuch

Wipfel von Tannen und Buchen, Schatten lassen

den Fuchs streifen, den Uhu rufen.
Matte Lichter springen an, viele, kleine,
ohne Kraft, in weiter Ferne,

durchdringen kaum die Stille.
Die Dunkelheit riecht nach Nebel und Harz,
kriecht diebisch durch Ritzen des morschen Gebälks,
umschließt den schlafenden Esel, der seufzt,
sauber gepflegt auf duftendem Stroh,

friedliches Bild.

 

Finsternis rückt im Traum heran,
drängt traurige Bilder auf, vergangen und doch wach:
schwerste Lasten in karger Wüste,
harte Schläge bei magerem Futter,
glühende Hitze, trübes Wasser,
Geruch nach Moder, muffiger Stein als Lager,
im filzigen Fell nisten Läuse und Milben.
Zitternd schreckt das Tier hoch, Angst im aufgerissenen Auge,

schickt es ein Gebet um Hilfe zum Himmel.
Da schiebt sich ein goldenes Band vor den Nebel,
drängt ihn und den Traum in die Finsternis zurück.
Sei unbesorgt, kleiner Esel, flüstert das Band, schlaf wieder ein,

die Zeiten der Qual sind verflogen,
die Tage der Zukunft werden golden sein.

 

(Renate Lanius)